Joycehotel - Pressestimmen
Intro, 08/05
“Dänemark ist so was von auf dem Sprung. Mehr noch als aus dem ewig Pop-prosperierenden Schweden kamen von dort zuletzt interessante, vornehmlich gitarrenlastige Indie-Bands. Lediglich der ganz große Durchbruch, der die letzten Hindernisse wegspült, fehlt noch. Der Mando Diao- oder Hives-Urknall. Acts wie Tiger Tunes, Saybia, Mist, Barra Head, Kind Of Bitter oder eben Joyce Hotel sind zwar mittlerweile vielerorts ein Begriff, werden aber im Gegensatz zum sonstigen Skandinavien.Hype-Rummel in der medialen Wahrnehmung stiefmütterlich behandelt. Dabei sollten gerade auch Joyce Hotel die Möglichkeit bekommen, sich richtig episch unter die Leute zu verteilen. Spröde Arrangements reiben sich an lärmigen Ideen und noch-kausalem Songwriting, das trotzdem immer wieder traumwandlerisch den Punkt findet. Ein Indie-Trip, der an frühe Pixies, aber auch an genialische belgische Tüftlerspinner wie dEUS erinnert. Postrock mit einigen Superkräften.”
(Ulrike Puth)
Visions, 08/05
“Dänen lieben, zumindest so sie musizieren, den multimedialen Universal-Entwurf. Dänen verehren darüber hinaus Radiohead und haben seltsame Namen. Ein weiterer Glücksfall. Womit wir auch schon an Ende wären mit den offensichtlichen Parallelen. Denn gegen den Erstling der Band um Mastermind Kristian Funder wirken etwa die ebenfalls aus Kopenhagen stammenden Kashmir wie ein durchschaubar operierendes Pop-Ensemble. Düsterer, bedrohlicher kommen Joyce Hotel daher. Mit einem Hang zu verschrobenen Arrangements und windschiefen Harmonien, was neben Thom Yorke und Co. auch eine Vorliebe für belgisches Alternative-Liedgut à la dEUS oder Ghinzu nahe legt. Die ersten zwei Nummern rocken dann auch tatsächlich knarzig daher: „WPAPA“ tobt auf stoischem Bass-Fundament durchs Dickicht, das schraddelige „Sisher“ gräbt sich eher sexy voran. „Come Back To Bed“ ist gar pure, psychotische Manie. Bei „Out Only“ kommt dann erstmals die sanfte Seite des Vierers zum Tragen: Zu stehenden Klavier-Tupfern haucht uns Funder direkt ins offene Herz, bevor ein Drumbeat dem Song Fahrt verleiht und sich das Ganze zu einem wirr funkelnden Indie-Schrein mausert. Spätestens mit dem auf einer meterdicken Hammond reitenden, überragenden Gruselthriller „Blood Monsters“ haben die Dänen das Spiel zu ihren Gunsten entschieden, werden Einflüsse und Referenzen völlig zweitrangig. „The words I wrote vanished without a trace / still you are all here with me on a suicide-note / and there’s still time to get out“, wehklagt Funder erratisch im verwunschenen „European Amphetamine“. Wie falsch er doch liegt: Nichts ist verschwunden. Keiner will raus aus diesem wolkenverhangenen, sturmzerfetzten Fiebertraum von Debüt. Superb.”
(Patrick Großmann, 10)
Westzeit, 08/05
“Seit mehr als vier Jahren ist das Quartett aus Kopenhagen unterwegs. Eine Schande, erst jetzt von ihnen zu hören. Die einen mögen sie die dänischen Radiohead nennen wollen. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Die Combo um Mastermind Kristian Funder spielt alternativen und intelligenten Rock. Sie bedienen kunstvoll der ganzen dynamischen und klanglichen Bandbreite, die heute im multikategorischen Kosmos zwischen Air, dEUS und Tortoise zu haben
ist. Stetig merkt der Hörer – wie z.B. bei „The Wind“, einem Stück, das langsam und gefühlvoll startet und später in einer hypnotischen Rifffolge landet -, dass die Jungs mit Herz und Seele bei der Sache sind. Als Special gibt es zwei animierte Comicvideos – natürlich aus der Hand von Funder. Wunderbare Scheibe, volle Punktzahl.”
(Ulf Kneiding, 6)
Eclipsed, 09/05
“Radiohead sind hier nicht weit, vor allem jene Radiohead, die sich auch mal gerne von Johnny Greenwoods Gitarrenlärmorgien treiben lassen. Man höre nur etwa mal hin, wie im zweiten Song „WPAPA“ das Chaos von „2+2=5“ aufgegriffen wird, um dann im nächsten Stück „Out Only“ in einer sanften Klavierpassage zu münden. Bei all dieser Inspiration bleiben Joyce Hotel aber dennoch eine eigenständige Band, der es auf ihrem Debut gelingt, eine Art von Rockmusik zu machen, die sich abhebt vom Einheitsbrei des Emo-Pop (oder wie man die Musikrichtung um Coldplay und Konsorten auch immer bezeichnen mag), indem sehr viel Wert auf komplexe Arrangements gepaart mit melodischer Schönheit gelegt wird. Das Schöne lauert ja stets im Chaos, werden sich Joyce Hotel gesagt haben, und so denkt man willkürlich auch an die belgische Formation dEUS, die ähnlich arbeitet. In der zweiten Hälfte der Platte geht die rohe Gewalt stark zurück und die sphärische Soundsphären überlagern die Songstrukturen. Vor allem das an Pink Floyd gemahnende „Routine“ und das sphärische, auf einem einzelnen hypnotischen Riff basierenden „Ghost“ dringen ins Bewusstsein des Hörers ein und setzen sich dort fest, „Joyce Hotel“ ist eines jener Alben, die erst schwer zu fassen sind, die man aber gerade deswegen immer wieder auflegt und staunt.”
Ox-Fanzine, 08-09/05
“Dänische Musiker neigen ja zu einer melancholischen, fast düsteren Herangehensweise, selbst wenn sie Popmusik mit dominierendem Gitarrensound einspielen wie eben auch JOYCE HOTEL, RADIOHEAD oder MUSE scheinen hier Pate gestanden zu haben, genauso findet man den verschrobenen Pop von DEUS. Beinahe doomige Momente von Bands wie THE OCEAN oder NEUROSIS, SMOG-LoFi-Folk oder eher mystische Momente a la Sigur Ros in der Musik von JOYCE HOTEL. Das beeindruckendste und gelungenste Stück dürfte dabei „Blood Monsters“ mit seiner bedrohlichen, monotonen Hammond-Orgel sein, einer der wenigen wirklich magischen und packenden Momente, ansonsten gelingt es den Dänen nur bedingt, wirklich Identität zu entwickeln, denn die Platte ist zu oft ein schön instrumentiertes und arrangiertes Nichts, das gegen Ende auch immer langweiliger und schwammiger wird. Der typische Fall einer Band, die Opfer der eigenen Einflüsse wird, denn auch noch so schöne Songs schützen einfach nicht vor einer gewissen Unorginalität.”
(Thomas Kerpen)