Schtimm - Pressestimmen
UNCLESALLY*S, 07-08/2006
“Auf die langen Winter im hohen Norden ist einfach Verlass. Wie sollte man auch solch atmosphärischen, verspielten und schillernd-schwarzen Pop machen, wenn draußen der Baggersee ruft? Gar nicht! So etwas braucht Zeit und Melancholie.
Schtimm aus Trondheim haben beides. Tief greifen sie in die Soundkiste und holen einen Leckerbissen nach dem anderen heraus. Ein behäbiger Hornsatz hier, ein verhuschtes Glockenspiel da. Nölende Hammondorgeln, kleine Samples, rumpelnde Tom-Waits-Gitarren…. Liest sich wie selbstverliebtes Mischpult-Gewichse, klingt aber wie unglaublich dichte Musik, die zusammen mit der Stimme von Sängerin ‘B’ einen verträumten Walzer zu tanzen scheint. Ein Zuckeralbum, das leider Gottes in der völlig falschen Jahreszeit erscheint.”
(Matthias Pflügner, 7 Punkte)
INTRO, 08/2006
“Schtimm kommen aus Norwegen, und ihr letztes Album „Featuring …“ bekam recht gute Kritiken, weil die Band einen skandinavischen Pop-Schönklang kultiviert hat, der sich zwar mitunter an der Kitschgrenze aufhielt, aber dennoch überzeugte. Das neue Album ist da etwas rauer, weil rhythmischer geworden. Bewegt sich der erste Song noch etwas in Richtung Sphärenpop, ist bereits der zweite Song aufgrund seiner interessanten Textur ein mitreißendes Stück Popmusik. Überhaupt gelingt es der Band und vor allem auch Sängerin B. – Namen sind Schtimm anscheinend ein Gräuel, die Balance zwischen Lieblichkeit und Gefährlichkeit zu finden. Die Instrumentierung – Cello, Geige und Oboe gliedern sich wie selbstverständlich ein – wie auch das Songwriting sind allererster Güte, und Schtimm erliegen auch erst gar nicht der Versuchung, sich in eine bestimmte Ecke drücken zu lassen. Das ist Pop, aber auch Jazz, Rock und Spärenklang, manchmal alles in einem. Und trotzdem äußerst zugänglich, weil melodieverliebt. Wunderbare Platte.”
(Sascha Seiler)
Visions, 08/2006
“Offener, verspielter, verbindlicher: Die norwegischen Leisetreter haben die intonierte Traurigkeit immer noch gepachtet, sehen jetzt aber auch mal Sonne.
So genau weiß man zwar nicht warum, aber Schtimm scheinen für ein Album immer eine Art übergeordnetes Thema zu benötigen. Nach dem Compilation-, Cover-, Featuring-Album sowie der Sommer-EP jetzt also eine Platte der Shortstorys. Ja, das passt. Jeder Song – von denen manche durchaus eine epische Breite von bis zu neun Minuten mit sich bringen – erzählt eine Geschichte für sich: anders als der Rest, ein eigenständiges, abgeschlossenes Stück; zusammengenommen eine bezaubernd vielseitige Kurzgeschichten-Sammlung, die aber immer noch die starke, prägnante Handschrift der Autoren trägt. Und ebendies ist noch pointierter und zugleich verschnörkelter, wie die geschwungenen und doch exakten Stricke einer gewieften, traditionsverbundenen und gleichzeitig zeitlosen Kalligrafie. Wo Schtimm mit der schwermütigen Nordlicht-Atmosphäre bislang stark an Ortsnachbarn wie Washington oder Midnight Choir erinnerten, ist nun mehr Zug, Druck, Melodiegriffigkeit, auch Tempo, kurz: Pop drin. Endlich eine Platte von ihnen, die noch genug Winter und Dunkelheit besitzt, um zu verzaubern, zugleich aber auch hervorragend als Soundtrack zu sommerlichem Liegen auf den bunten Sommerwiesen dieser Welt funktioniert."
(Sascha Krüger, 9 Punkte)
Spex, 08/2006
“Fassen wir zusammen, bevor im Anschluss die einzelnen Platten zu ihrem Recht kommen: Sowohl The Submarines aus L.A. als auch Schtimm aus Trondheim machen lupenreinen Pop, haben dabei stets eine Hand bzw. einen Finger am elektronischen Equipment und verteilen die Arbeit am Mikrofon auf männliche und weibliche Bandmitglieder. Was den Unterschied macht? Wir werden sehen.
Mit »Declare A New State« legen The Submarines, bestehend aus Blake Hazard und John Dragonetti, ihr Debütalbum vor. Dass es überhaupt zur Bandgründung gekommen ist, verdankt das Duo seiner im Jahre 2004 gescheiterten Beziehung. Als Konsequenz fielen Blake und John, die zuvor bereits viele Jahre im Rahmen eigener Solo-Projekte zusammengearbeitet hatten, in eine ebenso traurige wie produktive Phase. Getrennt voneinander schrieben beide zahlreiche Songs über die zerbrochene Liebe. Für die Aufnahmen war Blake allerdings auf die technische Hilfe von John angewiesen, und so blieb es nicht aus, dass man sich gegenseitig den vertonten Trennungsschmerz vorspielte. Genau diesen gibt es jetzt in knapp 30 Minuten auf »Declare A New State« zu hören. Wer aufgrund der vorangegangenen Geschichte mit einer sentimentalen Nabelschau rechnet, liegt allerdings falsch. The Submarines setzen in ihren Texten auf das Prinzip Hoffnung und verpacken dieses in leichte, dreiminütige Songs ohne größere Kanten. Stellenweise erinnert das musikalische Schaffen der Band an die Schönheit der Cardigans, was nicht zuletzt an Blake Hazards Stimme liegt. Was schließlich den Ausgang dieser musikalischen Telenovela betrifft: Mittlerweile ist das Duo wieder glücklich verliebt. Es lebe die Romantik?
Glaubt man dem mittlerweile vierten Album von Schtimm, dann ja. Allerdings wird hier eine andere Definition dieses Begriffs bemüht: Das Quartett aus Norwegen hat Mythen und Märchen samt beseelter Natur als Studiogäste verpflichten können. Die Songs tragen Titel wie »Whatever Snow Says« oder »Don’t Blame The Rain«, und der angry icy wind weht durch die Texte. Der Stimme von Sängerin B kann man auf den 12 Songs sowohl eine beachtliche Vielseitigkeit als auch eine gewisse Bemühtheit bescheinigen. So klingt sie mitunter wie ein flüsternder Waldgeist, um im nächsten Moment in das Timbre einer trunkenen Barfrau zu wechseln. Ähnlich verhält es sich, was das Spielen mit musikalischen Stilen anbelangt. So ist von Kammermusik über tanzbare Stücke bis hin zu völlig minimalistischen Songs alles vertreten. Mitunter wird man beim Hören von einem Stück zum anderen mit komplett neuen Bedingungen konfrontiert. Wer jung geblieben ist, sollte sich damit allerdings arrangieren können, zumal auch hier, ähnlich der bereits erwähnten Kollegen aus L.A., nichts wirklich wehtut. Mitunter ebenfalls eine Eigenschaft von Pop.”
(Jan von Postel)
Stereoplay, 08/2006
“Die Band selbst bezeichnet ihre Musik als Alko- Jazz oder Dunkel- Pop.
Nun, die Norweger schleichen auf ihrem dritten Album tatsächlich entschleunigt durch weitläufig angelegte Soundscapes – etwas angejazzt und von sanfter Frauenstimme in die Ferne geloggt-, singen ein spooky Schlaflied, schließen mit Streichern und Bläsern die Tür zu delikatem, melodischen Kammer- Pop auf. Aber Besinnlichkeit ist nicht alles: Mit heftigen Rhythmen, einer gewissen Schärfe und spürbarer Spielfreude hieven sie dann plötzlich astreine Indie-Rock-Songs auf einen Energie- und Hysterie- Level, wie man es von den B52´s kennt. Ein extrem offenes und schön abwechslungsreiches Album von Fans für Beth Gibbons, Feist oder Midnight Choir – aber eben nicht nur für die.”
(Michael Sons, Musik: 8-9/10 Klang: 7-9/10)