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Saint Thomas - Pressestimmen

Musikexpress, 09/2005

“Ein universeller Songwriter, ein Träller-König im Falsett, sowieso. Thomas Hansen hat jetzt auch ein Fenster zum Rock geöffnet. Thomas Hansen war Postbote, Plakatkleber und als solcher auch Promoter in eigener Konzert-Sache. Ein wilder, hin und wieder zerknirschter Bursche, der auch mal die guten Manieren vergessen konnte und der norwegischen Yellow Press geradeaus in die Arme lief – ein Popstar aus dem Untergrund, der nach ein paar Charts-Shows und einem Superhit („Cornerman“) entschied: Nicht mit mir. Auf dem letzten Album LET’S GROW TOGETHER – THE COMEBACK OF ST. THOMAS hat Hansen die Rückbesinnung angetreten. Tagsüber, sagt er, möchte er ruhig über die Straße gehen können, ohne, daß ihn ein Mensch erkennt. Nachts schreibt er die Bilder aus seinem Kopf in Melodien um, Landschaftsaufnahmen, Geschichten von seinen Freunden. CHILDREN OF THE NEW BRIGADE beginnt mit einem Ausnahmesong, einem, wie man ihn im ganzen Katalog des osloischen Folk-Messias bislang nicht finden konnte: „L.A. Man“, ein schillernder Hybride aus Beat und Jazz, der sich aus seinem Rahmen fortstiehlt – Musik, die man auch Tim Buckley oder Robert Wyatt zur Interpretation hätte vorlegen können. Hansen singt aber immer noch wie Hansen, er hat dieses Trällern im Falsett, das sich wie eine warme Decke über den Hörer legt. Es gibt die Songs, die Fenster zum Rock weit öffnen, es gibt Niedlich-Autobiographisches („We were children of the new brigade und slightly insane“), die Neil-Young-Verweise, die schon Tradition sind. Überhaupt: Einige dieser Beiträge scheinen in einem anderen Leben schon einmal ganz woanders gewesen zu sein, „Twisted Cowboy“ beispielsweise läge bei entsprechender Instrumentierung in einer jamaikanischen Jukebox direkt neben „You Can Get It If You Really Want It“. Was schon etwas über Saint Thomas erzählt: Er hat das Talent zum universellen Songwriter, seine Stimme kratzt aus den Kurven des Lebens ein paar Gramm Melancholie. Man sollte sie sorgsam aufbewahren, solche Lieder gibt es so oft nicht.”
(Frank Sawatzki)

Ox-Fanzine

“Bereits die vierte Platte des singenden Ex-Postboten Thomas Hansen aus Norwegen, die ich bespreche, und natürlich mal wieder auf einem anderen Label. Was mir an dem Mann bisher immer so gut gefallen hat, weiß ich gar nicht so recht, denn Hansen bedient sich kräftigt bei traditionellem amerikanischen Rock mit Einflüssen von Dylan und Young und versieht das Ganze dann mit seinem speziellem norwegischen Popfeeling. Das klingt auch nicht viel anders, als auf den Platten zuvor, aber bereits der zweite Song „Last word“ ist ein so unglaublich charmanter Hit, dass man nur sehr schlecht widerstehen kann, ebenso wie später dann bei „The long goodnights“. Vielleicht ist das ja die große Kunst bei Hansen, seinen nicht unbedingt revolutionären Countryrock mit der nötigen Individualität anzureichern und vor allem traumhaft schönen Melodien, die aus jeder seiner Kompositionen perfekte, wenn auch simple gestrickte Popsongs machen, die eine sympathische und ehrliche Authenzität ausstrahlen, die man in diesem Bereich nicht mehr allzu oft findet. Bleibt eigentlich nur die Frage, ob es wirklich Cowboys in Norwegen gibt?”
(Thomas Kerpen, 7)

Intro, 09/2005

“Seit seinem märchenhaften Aufstieg vom Postboten zum Chartsbreaker in Norwegen hat sich der Osloer Thomas Hansen als eine feste Größe in der europäischen Songwriterszene etabliert. Kein Wunder, seine Mischung aus melancholischer Buben-Attitude und behutsam arrangiertem Countrypop ist nicht nur wegen seiner hochgepitchten Stimme unverwechselbar. Irgendwie schafft Hansen es immer, in seinen Songs das Gefühl einer unverfälschten Sehnsucht nach Geborgenheit und Unschuld einzuweben und erzeugt so im besten Fall ein einmalig trauriges Glücksgefühl, das man ohne Übertreibung als St.-Thomas-Feeling bezeichnen kann. Auf Hansens neuem Album mit dem seltsamen Titel (wieso Brigade?) findet sich dieses Feeling natürlich auch wieder. Neben toll instrumentierten Kindheitserinnerungen und einer großen Auswahl an wirklich schönen Gitarrensounds gibt es diesmal auch Songs, die dem Songwriter wohl einen erwachseneren Anstrich geben sollen. So muss man sich bei „Morning Dancer“ erst mal an die sonore, tiefe Version von Hansens Stimme gewöhnen, und auch sonst wirkt diese geplante Singleauskopplung mit ihrem Dire-Straits-Sound eher wie eine gezwungene Entwicklung Richtung Mainstreamradio. Dass die Stärken von St. Thomas eindeutig woanders liegen, beweisen das verspielte „Twisted Cowboy“ oder das feingliedrige „Last Word“. Es ist natürlich eklig konservativ, einen Künstler auf sein Erfolgsrezept einfrieren zu wollen und seine andersartigen Entwicklungen zu bemängeln, aber in diesem Fall: Hey, St. Thomas, ich brauche deinen Sound auch in Zukunft.
(Martin Riemann)

Visions, 09/2005

“Fünftes Album des norwegischen Cowboys, der sich gut gelaunt mit Spielzeugpistole und Steckenpferd auf die Suche nach neuen Freunden macht. Es hat sich etwas geändert im Leben von Thomas Hansen. Zu Beginn seiner Karriere als St. Thomas, Hansen war Anfang 20, etablierte er das Bild eines Schrates. Der Will Oldham aus den skandinavischen Wäldern: Wortkarg zwar, aber die Songs in seinem Rucksack redeten und redeten. Fünf Jahre später berichtet Hansen auf seiner Website vom Fitnessprogramm: 11,3 Kilometer sei er am 16. Juni gelaufen, das wäre nach drei durchsoffenen Nächten in seiner Heimatstadt Bergen auch bitter nötig gewesen. An anderer Stelle wundert er sich, wo all die alten Fans hin sind, die seine ersten vier Alben – und vor allem das spröde Country-Wunderwerk „I’m Coming Home“ – zu norwegischen Bestsellern gemacht haben. Vielleicht, lieber Thomas, kamen sie einfach nicht zurecht mit der plötzlichen Fröhlichkeit, die „Hey Harmony“ innewohnte. Nicht ansteckend, eher nervig wirkte die sonnige Gemütslage des Ex-Postboten. Das Lächeln hat er für „Children Of The New Brigade“ nicht aufgegeben, aber anders als zuletzt transportieren die Lieder diese wackelige Euphorie. Es scheint beinahe, als bestünden die 13 neuen Songs ausschließlich aus Refrains – an allen Ecken Melodiebögen, so rund wie Fußbälle. Dazu Glockenspiele, Banjos und Maultrommeln: ein Kindergeburtstag. Thomas Hansen hat sich als Cowboy verkleidet und spielt mit Plastikinstrumenten vergessene Neil Young-Lieder. Zumindest in dieser Hinsicht ist er sich treu geblieben.”
(André Boße, 7)

Spex, 09/2005

“Yes, he stole my heart. Der „Artist with a brilliant Disguise“, der verschrobene Kerl mit dem selbstverliehenen Heiligentitel. Schwelgerisch und skurril und vor allem ungemein uplifting klang „Let´s grow together – the Return of St. Thomas “, das vierte Album des Norwegers Thomas Hansen, und ich war nach dem ersten Song extrem verliebt. Und nun behauptet der Pressezettel, ST. Thomas´ neues Album „Children of the New Brigade“ sei „Musik von Typen für Typen“. Schwermütiger klingt„ Children…“. Als habe Hansen eben an der Western Frontier die Pferde gesattelt, um in Don DeLillos toxische Sonnenuntergänge zu reiten. Country und Western und ein kleines bisschen Pathos. Ungebrochene Sehnsucht ist allerdings ST. Thomas´ Sache nicht – und so reitet er schließlich einfach ein wenig over the top und lässt die Klischees als „Twisted Cowboy“ in ausrangierten Stiefeln recht ungelenk gerade mal bis zur nächsten Straßenecke stolpern. Dass „Children…“ außerdem an Pop-Appeal nicht zu wenig bietet, ist vor allem den Songs der bislang nur in Norwegen veröffentlichten „Morning Dancer EP“ zu danken, die als Bonustracks das Album beschließen. Zum Mitsingen, und für Typen wie mich.”
(Christine Käppeler)

Kulturnews, 09/2005

“Ich wurde geboren“, tönte „Saint“ Thomas Hansen mal, „um täglich einen Song zu schreiben.“ Klar, dass man dabei nicht ständig das Komponieren neu erfinden kann. Also orientiert er sich an Vorbildern, Beck, Neil Young, gar später Donovan: Solche Namen fallen einem ein – nicht zum ersten Mal. Diesmal gelingen dem norwegischen Expostboten aber einige starke Songs, die das Epigonale seiner LoFi-Americana vergessen lassen. Das folkige „Last Word“ etwa beschwört Gefahr, begegnet ihr aber mit Durchhaltewillen und einem countryfizierten Refrain, der lange im Ohr bleibt. Alles ist ökonomisch arrangiert. Zur akustischen Grundierung gesellt sich manchmal ein Keyboard, ansonsten sorgt die verzerrte, gern als Slide gespielte E-Gitarre für alles Gefühlsschattierungen. Wie bei Mr.Young eben. Und so schlingerig wied der Kanadier singt Hansen auch, oft gar mit sich selbst im Duett. Ein Typ fürs College-Radio, das er im gitarrendreckverkrusteten Midtempo-Schunkler „Sheer Wonder“ auch mal besingt. Das Album glänzt mit drei Bonustracks und zwei Clips für PC und Mac. Setzen, weiterkomponieren.”

Loop

“Der Mann ist klasse und in meinen Augen ein kleines Genie. Das unterstreicht der 29jährige norwegische Ex-Briefträger auch mit seinem neuesten, fünften Album, das wie schon die letzte Platte „Let´s Grow Together“ bei einem kleinen deutschen Indielabel erscheint. Das letzte Album war mit „ The Comeback of St. Thomas“ untertitelt, wobei damit Überwindung seiner Alkoholsucht angezeigt werden sollte. „Children Of The New Brigade“ macht dort weiter, wo das letzte, straighte Popwerk aufgehört hat, auch wenn das Album nicht ganz so stark ist, wie das Comeback oder das St. Thomas-Masterpiece „I´m coming home“. Auch hier schickt uns Thomas Hansen auf eine Reise durch durch Country, smarten Folk, kratzigen Rock im Stile Neil Youngs und etwas Lo-Fi Seligkeit, wie es auch St. Thomas-Vorbild Will Oldham gerne mag. Der Klasse dieser 10 neuen Songs zum Trotz: Die besten Stücke sind die Bonus-Tracks, zum Beispiel das flotte „The Mexican father“ oder die feine Beatles und Stone-Hommage(?) „The Play“, das wie schon vor vier Jahren „ The Cornerman“ das zeug zum Hit hätte. Damals wurde der singende Postbote mit diesem Song zum Chartstürmer in seiner heimat. Im Oktober ist St. Thomas wieder live unterwegs- bleibt zu wünschen, dass er auch in die Schweiz kommt. Live ist der Mann immer ein echtes Erlebnis. Bis dahin hören wir uns hier an der neuen tollen Platte satt.” (Tb)

Driftwood Fanzine, # 5

“Musik von Typen für Typen” steht da im Pressinfo. Und schon beginnt das imaginäre Assoziationsrad wieder wilde Purzelbäume zu schlagen: bierselige Muckermusik in verrauchten Kneipen etwa, solche, zu der lediglich vollbärtige Wesen Zutritt haben? Hm, die Annahme ist so falsch nicht, und wer jetzt Neil Young, Tom Petty, Beck (respektive dessen folk’eskes Alter Ego) oder reduzierte My Morning Jacket (ohne widerhallende Stimmen) im Hinterkopf hat, befindet sich beim neuen, fünften Album von Saint Thomas auf jeden Fall auf der sicheren Seite. “Children Of The New Brigade” heißt es, und der 29jährige Saint Thomas (bürgerlich Thomas Hansen) ist zu Hause in Norwegen schon so etwas wie ein Star, den man, ob nun gewollt oder nicht, ab und an in Fernsehshows oder der Yellow Press wiederfinden kann. 14 Songs lang bietet Hansen hier akustischen bis beschwingten Folk(-pop), der zwar weder die kompositorische Genialität eines Elliott Smith noch den lyrischen Tiefgang eines Will Oldham (seine beiden größten Inspirationsquellen) besitzt, durch das Wechselspiel zwischen popigen, country’esken (exemplarisch: “The Mexican Father”) und introspektiven, ruhigen Nummern trotzdem zu gefallen weiß. In “LA Man” etwa rechnet er mit “the jerk I was” ab (in der Vergangenheit machte Hansen ab und an durch das Zertreten seines Equipments oder das Beschmeißen der Zuschauer mit Platten von sich reden) oder besingt in “Instrumental Sound” seine Depressionen (“There was never any sunshine for a boy that was so afraid”). Alles in allem ein gelungenes Album mit Schlagseite Richtung Country/Americana (mit popigem Anstrich, wohl gemerkt), das Saint Thomas aber wohl nicht über seinen Geheimtipp-Status außerhalb Norwegens hinausverhelfen wird."

 

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